22.09.2026rss_feed

Schweinemarkt unter massivem Druck – Ringgemeinschaft arbeitet an Lösungsansätzen

Die Situation am Schweine- und Ferkelmarkt spitzt sich weiter zu. Nach dem deutlichen Rückgang der VEZG-Notierung für Schlachtschweine um 15 Cent auf 1,45 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht folgt nun der nächste Rückschlag: Der Ferkelpreis fällt in dieser Woche um weitere 11 Euro je Ferkel.

Damit geraten die Betriebe entlang der gesamten Produktionskette zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Das saisonbedingt größere Schlachtschweineangebot trifft auf einen europäischen Fleischmarkt, der umfangreich versorgt ist. Gleichzeitig sorgen der hohe Wettbewerbsdruck und schwierige Absatzbedingungen für zusätzlichen Preisdruck.

Besonders gravierend ist die Entwicklung für die Ferkelerzeuger. Sie sind seit Jahren mit hohen Produktionskosten, umfangreichen gesetzlichen Anforderungen, strukturellen Veränderungen und notwendigen Investitionen in Tierwohl und Stallumbauten konfrontiert. Ein Preisrückgang in dieser Größenordnung verschärft die ohnehin angespannte wirtschaftliche Situation erheblich.

Ringgemeinschaft: Nicht nur auf die aktuelle Krise reagieren

Kurzfristige Marktbewegungen und Preisrückgänge kann auch die Ringgemeinschaft Bayern nicht verhindern. Umso wichtiger ist es, die Interessen der Betriebe konsequent zu vertreten, aktuelle Probleme gegenüber Marktpartnern und Politik anzusprechen und gleichzeitig an mittel- und langfristigen Lösungsansätzen zu arbeiten.

Denn die wiederkehrenden starken Preisschwankungen zeigen deutlich, dass sich die Branche grundsätzlich mit der Frage beschäftigen muss, wie Schweine und Ferkel künftig vermarktet und vergütet werden und wie wirtschaftliche Risiken innerhalb der Wertschöpfungskette besser verteilt werden können.

Aus diesem Grund hat die Ringgemeinschaft bereits am 21. August 2026 eine Arbeitstagung zum Thema Zukünftige Vermarktungs- und Vergütungsmodelle durchgeführt. Gemeinsam mit Vertretern der Erzeugerorganisationen, der VEZG und weiterer Organisationen wurde intensiv darüber diskutiert, wie insbesondere die Planungs-, Liquiditäts- und Erlössicherheit der landwirtschaftlichen Betriebe verbessert werden kann.

Neue Vermarktungs- und Preismodelle als zusätzliche Möglichkeit

Ein Schwerpunkt der Arbeitstagung lag auf längerfristigen Vertrags- und Preisvereinbarungen. Dabei geht es ausdrücklich nicht um eine Abkehr vom bestehenden Wochenpreis, sondern um zusätzliche freiwillige Möglichkeiten.

Denkbar wäre beispielsweise ein Mehr-Säulen-Modell: Ein Teil der Produktion könnte über einen bestimmten Zeitraum vertraglich abgesichert werden, während weitere Mengen weiterhin zum jeweils aktuellen Marktpreis vermarktet werden. Dadurch könnten Risiken breiter gestreut und die wirtschaftliche Planung der Betriebe stabilisiert werden.

Für die Ringgemeinschaft ist dabei entscheidend, dass die Ferkelerzeugung von Beginn an einbezogen wird. Ebenso notwendig sind transparente Berechnungsgrundlagen, verbindliche Mengen und Laufzeiten, Vertragstreue aller Beteiligten sowie die Einbindung des Lebensmitteleinzelhandels. Die VEZG soll auch bei möglichen neuen Modellen ihre wichtige Funktion als unabhängige Preisreferenz behalten.

Extreme Marktverwerfungen besser abfedern

Vorstandsvorsitzender Stephan Neher sieht angesichts der aktuellen Entwicklung dringenden Handlungsbedarf:

Es geht nicht darum, Marktgesetze außer Kraft zu setzen. Es geht darum, Instrumente zu schaffen, die extreme Marktverwerfungen besser abfedern, Risiken fairer entlang der Wertschöpfungskette verteilen und den Betrieben wieder mehr Planungssicherheit geben.

Dauerhaft nicht kostendeckende Preise gefährden nicht nur einzelne Betriebe. Sie erschweren notwendige Investitionen in Tierwohl, Stallmodernisierung und Zukunftstechnologien und beschleunigen den Strukturwandel in der Schweinehaltung. Damit steht langfristig auch die regionale Wertschöpfungskette unter Druck.

Ringgemeinschaft bleibt aktiv

Die Arbeitstagung im August war deshalb kein einmaliger Termin. Die Ringgemeinschaft wird die Diskussion über zukünftige Vermarktungs- und Vergütungsmodelle weiterführen und konkretisieren sowie weiterhin das Gespräch mit Marktpartnern, Politik und Verbänden suchen.

Dabei wird es nicht die eine Maßnahme geben, die sämtliche Probleme lösen kann. Neben neuen Vertrags- und Vermarktungsmodellen braucht es bessere Absatzmöglichkeiten, den Zugang zu wichtigen Drittlandsmärkten und Rahmenbedingungen, die den Betrieben auch in schwierigen Marktphasen mehr Liquiditäts- und Planungssicherheit ermöglichen.

Gerade der erneute massive Preisrückgang bei Schweinen und Ferkeln zeigt, wie dringend langfristig tragfähige Lösungen notwendig sind. Die Ringgemeinschaft Bayern wird sich weiterhin mit Nachdruck dafür einsetzen, Akteure zusammenzubringen, Gespräche anzustoßen und konkrete Lösungsansätze voranzutreiben. Denn eine starke regionale Wertschöpfungskette kann nur funktionieren, wenn auch die landwirtschaftliche Erzeugerstufe eine wirtschaftliche Perspektive hat.