Blauzungenkrankheit: Aktuelle Lage, Risiken und Handlungsbedarf
Die Blauzungenkrankheit bleibt auch 2026 ein ernstes Risiko für Wiederkäuerbestände in Deutschland. Trotz der aktuellen Winterruhe warnen Fachleute davor, diese Phase falsch zu interpretieren: Die Zahl der gemeldeten Ausbrüche steigt weiter an. Für Februar 2026 registrierte das Tierseuchennachrichtensystem knapp 87 neue Fälle – besonders betroffen war erneut Süddeutschland. Dominierend ist weiterhin der Serotyp BTV‑3, jedoch traten auch mehrere Ausbrüche des Serotyps BTV‑8 sowie Fälle mit unbestimmtem Serotyp auf. Insgesamt wurden zu Jahresbeginn über 150 Ausbrüche in Rinderbeständen gemeldet, zusätzlich waren Schafe, Ziegen sowie einzelne Bestände von Alpakas und Rotwild betroffen.
Situation in Bayern
Bayern ist weiterhin besonders stark betroffen. Seit 2024 breitet sich BTV‑3 hier deutlich aus, und seit Herbst 2025 kommt BTV‑8 als weiterer Serotyp hinzu. Beide Varianten zirkulieren aktuell parallel im Freistaat. Während für BTV‑3 innerdeutsch kaum noch Verkehrsbeschränkungen bestehen, gelten für BTV‑8 weiterhin klare Vorgaben beim Verbringen von Tieren, insbesondere in seuchenfreie Regionen.
Impfung bleibt zentral – aber Impfstoff ist knapp
Experten betonen, dass die Impfung der wirksamste Schutz vor der Blauzungenkrankheit bleibt. Tierhalter sollten jetzt aktiv werden, da die bevorstehende Gnitzensaison eine schnelle Durchimpfung erfordert. Besonders wichtig ist ein Schutz vor BTV‑3 sowie – sofern verfügbar – auch vor BTV‑8. Für bereits geimpfte Tiere wird eine Boosterung empfohlen. Eine Kreuzimmunität zwischen den Serotypen besteht nicht; jede Virusvariante benötigt ihren eigenen Impfstoff.
Die Verfügbarkeit der Impfstoffe ist jedoch regional unterschiedlich:
- BTV‑3‑Impfstoff: gut verfügbar
- BTV‑8‑Impfstoff:
dynamische
Lage, teilweise deutliche Engpässe
Tierärzte berichten, dass Impfstoffe nicht immer kurzfristig beschaffbar sind. Vorrangig wird derzeit der Süden Deutschlands versorgt, um einen Schutzgürtel gegenüber Österreich und der Schweiz aufrechtzuerhalten.
Weitere Serotypen im Blick behalten
Fachleute warnen zudem, dass neben BTV‑3 und BTV‑8 auch der Serotyp BTV‑4 mittelfristig nach Deutschland gelangen könnte. In Österreich wurden BTV‑4‑Fälle bereits beobachtet, und Experten halten eine Ausbreitung nach Bayern für möglich.
Umkategorisierung im EU‑Seuchenrecht – ab Juli 2026
Ab 15. Juli 2026 wird die Blauzungenkrankheit im EU‑Recht von einer C + D + E‑Seuche auf lediglich D + E herabgestuft. Damit entfällt die bisherige Kategorie C, die vor allem dem Schutz seuchenfreier Gebiete diente. Es wird erwartet, dass der Tierverkehr dadurch mittelfristig weniger bürokratisch wird. Die genauen Auswirkungen auf die Praxis werden derzeit noch diskutiert.
Fazit
- Die Blauzungenkrankheit breitet sich weiter aus – besonders in Süddeutschland.
- Die Winterruhe täuscht: Die Zahl der Ausbrüche steigt wieder deutlich.
- Impfstoffe, insbesondere gegen BTV‑8, sind regional knapp – frühzeitige Abstimmung mit dem Hoftierarzt ist entscheidend.
- Impfungen (inkl. Boosterungen) sollten noch vor Beginn der Gnitzensaison durchgeführt werden.
- Weitere Serotypen wie BTV‑4 könnten folgen – die Lage bleibt dynamisch.
- Ab Juli 2026 bringt die EU‑Herabstufung voraussichtlich Erleichterungen bei den Verbringungsregeln.
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