20.12.2016 rss_feed

Schweinehaltung zukunftsorientiert, so geht`s!

Welche Faktoren begünstigen das Schwanzbeißen bei Schweinen? Welche Bewegungsbuchten sind für die Praxis am besten geeignet?

Mit diesen und anderen Fragen rund um die Schweinehaltung haben sich Experten und Praktiker auf der diesjährigen Schweinefachtagung der Ringgemeinschaft am 28. November beschäftigt.


Dass Schwanzbeißen unter Schweinen viele verschiedene Gründe habe, stellte Dr. Astrid vom Brocke fest. Die Expertin von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen forscht bereits mehrere Jahre an diesem Problem. Es sind noch viele Detailfragen offen, berichtete vom Brocke. Zum Beispiel wirken sich Raufutter und Spielzeug im Stall positiv auf den Rückgang von Schwanzbeißen aus. Allerdings müssten viele weitere Faktoren – unter anderem das Stallklima, die Gesundheit der Tiere und die Gruppengröße beachtet werden. Deshalb bringe es einen deutlichen Mehraufwand für den Tierhalter mit sich, auf das Schwanzkupieren zu verzichten. Mehr Zeit, aber auch mehr Kosten müssten eingeplant werden, sagte die Expertin.

Ställe für den Ringelschwanz

Dr. Christina Jais, von der LfL, zeigte, wie sich das Halten von Schweinen mit Ringelschwänzen auch auf den Stallbau auswirkt. Stallneubauten müssen ringelschwanzfähig sein, sagte sie. Das heißt konkret: Zum Beispiel müssen neue Fütterungssysteme eingebaut werden, die zur Einstreu von Raufutter geeignet sind. Raufutter wiederum erfordert ein neues Entmistungssystem. Die bisherigen Systeme sind mit Raufutter überfordert. Da brauchen Sie eine Schieberentmistung, riet die Expertin. Für eine Schieberentmistung notwendig seien wiederum Ställe mit wenigen und langen Achsen. Damit man die Tiere gut beobachten und so erste Anzeichen von Schwanzbeißen erkennen könne, sollten außerdem kleinere Gruppengrößen in den einzelnen Buchten gehalten werden.

Zum Thema Abferkelbuchten referierte Frank Schneider, ebenfalls bei der LfL. Er hat erforscht, welche Bewegungsbuchten im praktischen Einsatz überzeugen. Einen Favoriten gibt es seiner Ansicht nach nicht. Jeder muss das System wählen, das am besten zum eigenen Betrieb passt, resümierte Schneider. Er rät jedoch ganz konkret dazu, bei jedem System darauf zu achten, dass neben und hinter dem Ferkelschutzkorb mindestens 40 cm Platz sind. Sie brauchen hinter dem Ferkelschutzkorb 40 cm Platz für die Geburtshilfe, daneben ebenfalls 40 cm, damit die Ferkel bei geschlossenem Korb genug Platz zum Saugen haben.

Diese Ergebnisse bestätigte auch Sven Meyer, Ferkelerzeuger aus dem Landkreis Hof. Er hat bereits seit längerem Bewegungsbuchten im Einsatz. Meyer betonte: Die Ferkelverluste sind genauso hoch wie vorher. Er empfinde die Arbeit in den Buchten als sehr angenehm für Tier und Halter.

Tier und Halter schützen

Auch Prof. Dr. Steffen Hoy beschäftigt sich mit der Gestaltung von Deckzentren. Wir müssen bei den Planungen den Tierschutz, aber auch den Arbeitsschutz berücksichtigen, sagte er. Für Neubauten bräuchten Tierhalter langfristige Planungssicherheit. Konkret ging er auf die Breite von Kastenständen ein. Studien zeigen: Schweine präferieren das `soziale Liegen`, so der Experte. Schweine lägen also oftmals eng aneinander und in Körperkontakt mit anderen Tieren. Wir müssen schauen, was die Tiere machen und das dann bei Neubauten in die Praxis umsetzen, betonte Hoy.

Zu Abluftreinigungsanlagen referierte Dr. Steffen Neser von der LfL. Er stellte fest: Die Anlagen erfordern ein hohes Maß an Wartung und Betreuung. Ob die Anlagen für alle Stallneubauten notwendig sind, werde noch intensiv diskutiert. Derzeitige Entwürfe zur Neufassung der TA Luft sehen aber vor, dass solche Anlagen ab Betriebsgrößen von 1.500 Mastplätzen unabdingbar seien.

Beratung annehmen

Dass moderne Schweinehaltung funktionieren kann, das zeigte Joachim Mack. Er ist Ferkelerzeuger und Schweinemäster und produziert seit einiger Zeit in einem geschlossenen System. Wir hatten vorher Abschläge beim Ferkelverkauf. Heute bleiben Preisabschläge und Handelsspanne im eigenen Betrieb, berichtete Mack. Wichtige Gründe für einen gut funktionierenden Betrieb sind laut Mack: Ein starker Familienzusammenhalt, dass man Beratung zum Beispiel vom Ringberater und Tierarzt annehme und sich viel mit Berufskollegen austausche.

Eine Brücke von der Landwirtschaft zu den Verbrauchern schlagen, das will Eva Maria Haas. Sie berichtete von der Imagekampagne, die der Verein Unsere Bayerischen Bauern im September gestartet hat. Wir wollen ein reales Bild der Landwirtschaft zeigen und so wieder eine Verbindung zu den Verbrauchern schaffen, sagte Haas.