06.12.2017 rss_feed
Mehr als 100 Akteure der Schweineproduktion kamen zur jährlichen Schweinefachtagung

 

Schweinefachtagung 2017

Schweinehaltung – Herausforderungen und Chancen

 

Denkendorf, 30.11.2017: Mehr als 100 Akteure der Schweineproduktion kamen am 30. November zur jährlichen Schweinefachtagung der Ringgemeinschaft Bayern e.V. in Denkendorf zusammen. Im Mittelpunkt der Fachtagung standen viele aktuelle Fragen und Probleme der Schweinehaltung.

Die Tagung wurde gemeinsam von der Ringgemeinschaft Bayern, dem Landeskuratorium für tierische Veredelung und der Erzeugergemeinschaft und Züchtervereinigung für Zucht- und Hybridzuchtschweine veranstaltet und beleuchtete viele Themen der modernen Schweinehaltung und deren Herausforderungen in der heutigen Zeit.

Unter anderem referierte Dr. Malena Erbe von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zum Thema Genomische Selektion beim Schwein – Erfahrungen und Perspektiven. Sie erläuterte dabei ausführlich die Vorteile der genomisch optimierten Zuchtwertschätzung und die Eigenschaften der Genotyp-Information, die bereits beim Ferkel gewonnen werden. Die daraus resultierende erhöhte Sicherheit bei den Zuchtwerten dient dem Fortschritt in der Fleischerzeugung.

Prof. Dr. Ludwig Theuvsen von der Universität Göttingen berichtete zu Integrierte Erzeugung – Chance oder Ende der bäuerlichen Schweineproduktion?. Laut Theuvsen ist die Integrierte Erzeugung in Deutschland, im Vergleich mit Ländern wie beispielsweise der USA, noch nicht dominierend. Sie wird in den kommenden Jahren jedoch zunehmen und die Branche muss sich rechtzeitig mit den Gegebenheiten auseinandersetzen. Integrierte Erzeugung kann Chancen bieten, birgt aber auch viele Risiken. Als Bündler und Verhandlungspartner zwischen Landwirten und Lebensmitteleinzelhandel (LEH) könnten insbesondere die Erzeugergemeinschaften eine entscheidende Rolle einnehmen, so Theuvsen.

Einen Erfahrungsbericht zur Einsparung von Antibiotika aus der Sicht von Hoftierarzt und Landwirt gab Dr. Palzer von der Arbeitsgemeinschaft resistente Erreger in der Veterinärmedizin (ARE-Vet). In den letzten sechs Jahren hat sich die Abgabemenge von Antibiotika an Tierärzte um 56,5 % reduziert – ein riesen Erfolg, den es aber auch zu kommunizieren gilt. Auch hier ist Öffentlichkeitsarbeit gefragt, so Palzer. Es muss dem Verbraucher klargemacht werden, dass unsere Nutztiere im Durchschnitt pro Tier und Jahr nicht mehr Antibiotika bekommen, als in der Humanmedizin verabreicht wird. Damit stellte Palzer auch deutlich heraus: Kranke Tiere müssen behandelt werden. Mit einem ganzheitlichen Ansatz könne aber die Anzahl der Indikationen deutlich reduziert werden.

Über die neue Düngeverordnung und ihre Auswirkungen informierte Dr. Matthias Wendland (LfL). Seit dem 02. Juni 2017 ist die neue Düngeverordnung mit neuen und strengeren Reglungen in Kraft. Auf Veredelungs- und Biogasbetriebe kommen laut Wendland damit große Herausforderungen zu. Zum einen wird durch die neue Berechnung der Obergrenze von 170 kg N/ha unter Berücksichtigung der pflanzlichen Anteile die Tierbesatzdichte/ha eingeschränkt, zum anderen werden die erlaubten Überschüsse im Nährstoffvergleich reduziert. Besonders viehstarke Betriebe werden sich damit auseinandersetzen müssen, wie die Nährstoffzufuhren in den Betrieb reduziert werden können, wenn eine Abstockung der Tierzahlen vermieden werden soll. 2017 wurde auch das Düngegesetz novelliert. Darin ist festgelegt, dass bestimmte viehstarke Betriebe bereits ab 2018 die Stoffstrombilanz rechnen müssen, ab 2023 wird das für alle Betriebe über 20 ha oder über 50 GV Pflicht.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete Jürgen Winkelmann vom Söhrenhof in Soltau, der schilderte, wie es ihm möglich war, auf eine fünfmonatige Seminarreise zu gehen, während der Ferkelerzeugerbetrieb zu Hause weiterläuft.


Hoftierarzt Dr. Palzer gab einen Erfahrungsbericht zur Einsparung von Antibiotika Prof. Dr. Ludwig Theuvsen wog Chancen und Risiken der integrierten Erzeugung ab