20.12.2016 rss_feed

Moderne Rinderhaltung – da geht`s hin!

Wie schaffe ich es in der Rinderhaltung den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren? Und: Wie wichtig ist das Stallklima für die Gesundheit meiner Tiere? Mit diesen und anderen Fragen rund um die Rinderhaltung haben sich Experten und Praktiker auf der diesjährigen Rinderfachtagung der Ringgemeinschaft am 7. Dezember beschäftigt.


Dass die Nachfrage, das Angebot am Rindfleischmarkt bedingt, das hat Günter Härtl von der Unifleisch GmbH & Co KG auf der diesjährigen Rinderfachtagung festgestellt. Dabei sind die Ansprüche hoch: So soll Rindfleisch unter anderem zart und nicht zu teuer sein. Außerdem legen viele Konsumenten großen Wert darauf, dass die Tiere in Deutschland geboren, geschlachtet und verarbeitet wurden. Ebenso wichtige Kriterien: die Haltungsform, Tierwohl und Tierschutz. Wir liefern das, was der Verbraucher wünscht, sagte Härtl. Die Produktion müsse sich nach dem Verbraucher ausrichten, so der Experte. Die Anforderungen kommen über den Lebensmitteleinzelhandel und die Schlachtstätten zu den Mästern

Eine weitere Qualitätsanforderung von Firmen, die SB-Ware herstellen: Es werden möglichst gleichgroße Teilstücke benötigt. Das Stück muss in die Schale passen, so Härtl.

Mehr Beratung nötig

Neue Anforderungen gibt es auch für die Ringberater des LKV. Ringberatung geht immer mehr zur Beratung und weg von der Wiegung, berichtete Uwe Gottwald, Geschäftsführer des LKV. Dazu kommt es, weil die wirtschaftliche Situation für viele Landwirte nicht zufriedenstellend ist. Die Schwierigkeit dabei: Bisher ist unklar, inwieweit Ringberater aus förderrechtlicher Sicht Betriebsberatungen anbieten dürfen.

Im Mittelpunkt steht für uns der Landwirt. Wir helfen ihm, das Geschäft besser und rentabler zu machen, betonte Gottwald. Deswegen investiert das LKV stetig: Die Ausstattung der Ringberater wurde optimiert und neue Software gekauft. Das hat Erfolg. Laut Uwe Gottwald haben Landwirte, die die Beratung des LKV annehmen, mehr Tageszunahmen und schneiden im Vergleich mit anderen Betrieben deutlich besser ab.

Aktiv mitreden

Wir sind im Gespräch, aber wir sind nicht Teilnehmer am Gespräch, betonte Anna Katharina Wittke von der Ringgemeinschaft. Landwirtschaftliche Themen in der öffentlichen Diskussion gebe es derzeit viele. Aktiver Teilnehmer der Diskussionen rund um Ferkelkastration und Schlachten trächtiger Rinder, seien die Landwirte aber nicht.

Wie man es schafft, wieder mit zu reden, das zeigte die Pressefrau der Ringgemeinschaft: Mit guter Öffentlichkeitsarbeit, die Themen aufgreift, die bereits da sind, und die selbst Themen ins Gespräch bringt. Wir müssen erklären, warum Rinder enthornt werden und wie es passiert, dass Rinder trächtig geschlachtet werden, sagte Wittke. Man müsse außerdem Kritisches offensiv ansprechen.

Unterstützend brauche es aber auch eine emotionale Brücke zum Verbraucher. Diese schafft der Verein Unsere Bayerischen Bauern. Über eine Imagekampagne mit vielen Bildern und dem Landwirt im Mittelpunkt.

Antibiotika reduzieren

Wie es jeder Landwirt schaffen kann, Antibiotika weniger einzusetzen, das zeigte Maximilian Löffelmeier vom MSD Tiergesundheit. Am wichtigsten sei es, laut Löffelmeier, dass Landwirte Krankheiten, wie zum Beispiel die Rindergrippe, früh erkennen. Für den Landwirt ist hier Tierbeobachtung das Mittel der Wahl, sagte er. Wenn der Tierhalter dann schnell handle und die richtigen Medikamente gebe, kann der Einsatz von Antibiotika verhindert werden.

Gutes Klima – gute Gesundheit

Dass das Stallklima direkt das Wohlbefinden und die Gesundheit von Rindern beeinflusst, zeigte Johannes Zahner von der LfL. Unter anderem sei es, laut Zahner, wichtig, die Luftfeuchtigkeit bei 60 bis 80 Prozent zu halten. Zuviel Luftfeuchtigkeit behindert die Wärmeabgabe und es kann zu einem Hitzschlag kommen. Bei zu niedriger Luftfeuchte trocknen die Schleimhäute aus, so der Experte. Außerdem sei es wichtig, für einen regelmäßigen Luftaustausch zu sorgen, um vor allem im Sommer eine hohe Luftqualität zu garantieren. Und: Auf die Konzentration von Schadgasen muss geachtet werden. Beim Tier werden die gleichen Schadgasschwellenwerte herangezogen wie beim Menschen, sagte Zahner. Denn zu hohe Konzentrationen gefährden die Gesundheit des Tieres und des Halters.

Schlachtung tragender Tiere vermeiden

Dr. Sebastian Schwanitz stellte ein Projekt von Qualifood vor: An acht bayerischen und zwei baden-württtembergischen Schlachtstätten haben die Wissenschaftler im Rahmen der Fleischprüfung untersucht, wie viele Rinder trächtig geschlachtet wurden. Wir haben dann anonymisierte Fragebögen an die Betriebe geschickt, die trächtige Rinder angeliefert haben, um herauszufinden, warum die Tiere trächtig zum Schlachthof gingen, berichtete Schwanitz.

Ein Großteil – 61,9 Prozent ‑ der Tiere kamen in Absprache mit einem Tierarzt zum Schlachter. Als Gründe für die Schlachtung der Tiere nannten die meisten Klauen- oder Euterprobleme. Bekannt war die Trächtigkeit in 46,8 Prozent der Fälle. 53,4 Prozent wurden vorher untersucht, 38,1 Prozent nicht. In Zukunft soll das Projekt weitergeführt werden, so Schwanitz. Wir wollen schauen, ob man die Zahl der geschlachteten trächtigen Tiere irgendwie reduzieren kann.