chronischen oder viszeralen Botulismus
Die Hypothese des sogenannten chronischen Botulismus
wird seit einigen Jahren im Zusammenhang mit chronischen Bestandserkrankungen im Milchviehbetrieben kontrovers diskutiert. Die unspezifische Symptomatik umfasst dabei Verdauungsstörungen, Labmagenverlagerungen, Abmagerung, Festliegen, Klauen- und Gelenkserkrankungen, Bewegungsstörungen, Lähmungen, Abgeschlagenheit, gespannte Bauchdecke, Schluckstörungen und fieberhafte Euterentzündungen. Die Ursache der beschriebenen Krankheitsbilder ist bislang wissenschaftlich nicht gesichert.
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sind aufgrund der lebensmittelhygienischen Regelungen, insbesondere des Schlachtverbots für kranke Tiere, gewährleistet. Klinisch erkrankte Tiere sind entsprechend den Vorgaben des Lebensmittelrechts sowohl von der Michgewinnung als auch von der Schlachtung auszuschließen.
Das Bild des chronischen Botulismus
ist nicht eindeutig und klare Definitionen fehlen. Vom Friedrich-Löffler-Institut wurde 2011 eine Laborvergleichsuntersuchung durchgeführt mit dem Ziel, die Standardisierung der Botulismusdiagnostik voranzutreiben. Die Ergebnisse zeigten, dass erheblicher Verbesserungsbedarf im Bereich der Labordiagnostik besteht.
Die Hypothese, der sog. Viszerale Botulismus würde durch Biogasanlagen begünstig, ist nach bisher vorliegenden Ergebnissen wissenschaftlich nicht belegbar.
Fachleute sind sich einig, dass bei der Erkrankung anstatt von chronischem Botulismus
von einem multifaktoriell bedingten Symptomenkomplex
oder einem Geschehen mit unspezifischer Krankheitserscheinung
gesprochen werden sollte.